Das JES Netzwerk
bezogen auf JES
Übersicht
- Die Mitglieder
- Gruppenkennzahlen
- Gruppenaktivitäten
- Soziale Integration
- Einnahme von Substanzen
- Gruppendynamische Effekte
- Zusammenarbeit mit Externen
- Quelle
Es wurden neben JES noch NA, verschiedene Gruppen der Caritas und Einzelorganisationen befragt. Insgesamt belief sich ihre Zahl auf 266 Selbsthilfegruppen.
JES zeigte mit einer Beteiligung von über 60% die mit Abstand grösste Reaktion. NA (die Abstinenzler) lag z.B. bei nur knapp 14%. Aber die sind ja auch, der Name sagt es, anonym.
Die eher offensive Ausrichtung von JES manifestiert sich auch in einigen der nachfolgenden Zahlen.
1. Die Mitglieder
These: Gruppen-ADSH richtet sich auf unterschiedliche
Personenkreise aus
|
|
JES |
NA, Caritas und Einzelgruppen |
|
Frauenanteil |
40% |
34% |
|
Altersschnitt |
32,2
Jahre |
34,4
Jahre |
|
Ausländeranteil |
7,3% |
3,1% |
| Anteil
Lediger |
56% |
67% |
| Niedriger
Schulabschluss |
53,5% |
29,6% |
| Eigene
Wohnung |
67,7% |
80,2% |
| Abgeschlossene
Ausbildung |
55% |
77% |
Der RT dazu:
Auffällig ist die relativ grosse Zahl von JES-Mitgliedern mit
niedrigem Schulabschluss. Dies ist vermutlich primär durch die
Szenenähe und Niederschwelligkeit zu erklären. Zu
Caritas-Gruppen gehen vermutlich potenziell eher andere
Gesellschaftsschichten. Es wurde auch gemutmasst, dass der reale
Ausländeranteil bei JES real niedriger liegt als bei den
genannten 7,3%. Das leidige Thema "latenter Rassismus in der
Drogenszene" scheint also nach wie vor aktuell zu sein.
2. Gruppenkennzahlen
These: Gruppen-ADSH ist unterschiedlich konstituiert
|
|
JES |
NA, Caritas, Einzelgruppen |
| Existenzdauer
der Gruppe über 8 Jahre |
41,4% |
26,9% |
|
ca. Teilnehmerzahl |
11,2 Personen |
9,6 Personen |
|
ca. Zuwachs im letzten Halbjahr |
6,5
Personen |
8,5 Personen |
| 1-3
Gruppentreffen pro Woche |
57,6% |
80,2% |
| ca.
Fluktuationsrate |
0,75 -
1,1 |
1,4 - 1,9 |
RT:
Recht grosse Gruppen scheinen da befragt worden zu sein. Auch die
vergleichsweise geringe Fluktuationsrate fällt auf.
Bei den Vergleichsgruppen scheint diese denn auch höher zu
sein.
3. Gruppenaktivitäten
These: Gruppen-ADSH engagieren sich in vielfältiger und
unterschiedlicher Form
|
|
JES |
NA, Caritas, Einzelgruppen |
| Anteil an
Beratungsleistung |
68,3% |
30% |
| Anteil an
Vermittlungen |
70,0% |
13,8% |
|
Anteil an Öffentlichkeitsarbeit |
68,3% |
30,1% |
|
Regelmässige Gruppengespräche |
68,7% |
72,2% |
|
Freizeittreffs |
72,1% |
54,1% |
|
Substitutionsbegleitung |
59,6% |
1,5% |
|
Streetwork |
62,7% |
3,0% |
RT:
In diesen Punkten, also der eher offensiven Arbeit, scheint JES im
Vergleich zu den anderen Gruppen deutlich die Nase vorn zu haben.
Die verstärkt politische Ausrichtung der JES-Gruppen steht in
sichtbarem Kontrast zur eher verdeckten und primär auf die
persönlichen Probleme bezogenen Arbeit anderer
Selbsthilfegruppen im Drogenbereich.
4. Soziale Integration
These: ADSH fördert die soziale Integration ihrer
Mitglieder
|
Soziale Lage während ADSH-Teilnahme verbessert/verschlechtert |
JES |
NA, Caritas, Einzelgruppen |
| Berufssituation | 29% /
12% |
23% /
13% |
|
Partnerschaftliche Situation |
24% / 28% |
36% / 14% |
|
Freundessituation |
56% / 9% |
39% / 4% |
|
Wohnsituation |
35% / 4% |
29% / 6% |
RT:
Berufs-, Freundes- und Wohnsituation haben sich in allen
Gruppierungen scheinbar signifikant verbessert, wohingegen die
partnerschaftliche Situation sich bei den JES-Mitgliedern
geringfügig verschlechterte.
5. Einnahme von Substanzen
These: ADSH reduziert die Substanzeinnahme ihrer Mitglieder
|
Substanzeinnahme während SHG-Gruppen Teilnahme verringert / erhöht |
JES |
NA, Caritas Einzelgruppen |
|
Alkohol |
48% / 10% |
59% / 3% |
|
Cannabisprodukte |
33% /
14% |
49% / 2% |
|
Halluzinogene |
26% / 2% |
22% / -- |
|
Psychopharmaka |
36% / 8% |
31% / 1% |
|
Amphetamine |
52% / 5% |
29% / -- |
|
Substanzeinnahme während SHG-Gruppen Teilnahme verringert / erhöht |
JES |
NA, Caritas Einzelgruppen |
| Heroin |
60% / 9% |
34% / - |
| Andere
Opiate |
11% /
11% |
6% / 9% |
|
Kokain |
54% / 3% |
43% / 1% |
| Methadon |
10% /
38% |
6% / 1% |
|
Scnüffelstoffe |
13% / 1% |
7% / - |
|
Tabak |
12% / 3% |
30% / 4% |
RT:
Zwar nicht ganz so stark wie bei den anderen Grupppierungen setzte
sich bei JES jedoch immer noch spürbar ein Rückgang der
Substanzeinnahme durch. Einzige Ausnahme bildete bei den
JES-Gruppen - logischerweise - das Methadon. Nicht Wenige sind
durch den Kontakt zu JES offenbar erst in die
Substitutionsbehandlung gekommen.
6. Gruppendynamische Effekte
These: Gruppen-ADSH prägen vielfältige gruppendynamische
Effekte aus
|
Hohe Ausprägung des gruppendynamischen Faktors |
JES |
NA, Caritas Einzelgruppen |
|
Selbstwahrnehmung und Emphatie |
41% |
62% |
|
Soziale Bekräftigung |
64% |
32% |
| Psychosoziale und substanzspezifische Integration | 41% |
61% |
|
Soziale Dienstleistungen |
64% |
32% |
RT:
Auch hier kommt die offensivere Ausrichtung von JES zum
Ausdruck.
Während in den Punkten "Selbstwahrnehmung und Emphatie" JES
mit 41% schlechter abschneidet als die Anderen mit 62%, ist es beim
Punkt "Soziale Bekräftigung" genau umgekehrt.
7. JES: Zusammenarbeit mit Externen
|
Externe |
Kontakte in % |
| Professionelle
Suchthelfer |
79,8 |
|
Niedergelassener Arzt |
63,0 |
|
Sozialarbeiter |
42,2 |
|
Krankenhaus |
35,3 |
|
Niedergelassene Psychologen |
32,9 |
|
Drogenberatungsstelle |
29,5 |
|
Stationäre Suchthilfe |
27,2 |
|
Wohlfahrtsverbände |
26,3 |
|
Teilstationäre Suchthilfe |
15,5 |
| Kirche |
13,9 |
RT:
Auffällig ist hier der doch sehr hohe Anteil der Suchthelfer
als Kontaktperson. Das hat auch uns zunächst gewundert. Aber
wenn man bedenkt, dass bei der ehrenamtlichen Arbeit - etwa beim
Nachfüllen von Spritzen-Automaten - meist zwangsläufig
auch die sog. "Profis" kontaktiert werden, erscheint diese Zahl
schon deutlich plausibler.
Die hohe Rate von Arztkontakten ist vermutlich auf die vielen
Substituierten unter den JES-lerInnen zurückzuführen.
Studie als PDF (1,6 MB)
Quelle:
Frederic Fredersdorf
"Verantwortung leben"
Ambulante Drogenselbsthilfe in Deutschland
Neuland 2002
Siehe auch hier www.bmgs.bund.de/